Welche Anforderungen stellt DIN EN 17075 an kontinuierliche Messgeräte?
Bild: Wassernutzen

Messung

Teil von Wie erfasse ich den Wasserverbrauch im Produktionsbetrieb?

Welche Anforderungen stellt DIN EN 17075 an kontinuierliche Messgeräte?

Anforderungen der DIN EN 17075 an kontinuierliche Messgeräte für Wasser: Anwendungsbereich, Prüfverfahren, Verifizierung, Rolle von PTB und Herstellern.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Norm gilt für kontinuierlich messende Geräte in Inline- oder Online-Position, tragbar oder fest installiert.
  • Sie ist nicht für chemische Test-Kits und Laboranalysegeräte anwendbar.
  • Vom Hersteller werden mehr technische Daten zur Verifizierung verlangt als von EN ISO 15839:2006.
  • Geprüft wird unter Labor- und Feldbedingungen, die Auswertung folgt festgelegten statistischen Verfahren.
  • Jede Anforderung gehört als überprüfbare Frage in die Ausschreibung, nicht als Datenblattmerkmal.

Wofür die Norm gilt

DIN EN 17075 beschreibt allgemeine Anforderungen und Leistungsprüfungsverfahren für kontinuierliche Messgeräte, die physikalische, chemische und biochemische Größen im Wasser erfassen. Zwei Betriebsarten sind ausdrücklich genannt: tragbare Geräte und fest installierte Geräte, jeweils in Inline- oder Online-Betriebsposition. Inline heißt, der Sensor sitzt direkt in der Rohrleitung oder im Becken. Online heißt, die Probe wird über eine Entnahmestelle zugeführt.

Für die Auswahl ist diese Zuordnung der erste Sortierschritt. Fragen Sie im Angebot ab, welcher Betriebsposition das Gerät zugeordnet ist, und tragen Sie Inline oder Online als eigene Zeile in die Anforderungsliste ein. Ohne diese Angabe bleibt später offen, unter welchen Bedingungen die Herstellerdaten erhoben wurden.

Aus der Wasseraufbereitung kennen Sie solche Größen: pH-Wert, Leitfähigkeit, Trübung, gelöster Sauerstoff oder Restchlor. Jede Größe braucht eine eigene Angabe zur Messunsicherheit, weil sich die Verfahren unterscheiden.

Nicht im Anwendungsbereich liegen chemische Test-Kits und Laboranalysegeräte. Küvetten- und Schnelltests tauchen im Einkauf häufig neben Feldmessgeräten auf, eine Leistungserklärung nach dieser Norm deckt sie aber nicht ab. Wer beides beschafft, verlangt getrennte Unterlagen.

Leistungsprüfung unter Labor- und Feldbedingungen

Die Norm legt einheitliche Verfahren fest, mit denen Leistungskenngrößen bestimmt werden. Geprüft wird unter Laborbedingungen und unter Feldbedingungen, also an der realen Messstelle mit ihren Temperatur- und Matrixschwankungen. Für die Auswertung der Prüfdaten sind statistische Verfahren definiert, damit Streuungen vergleichbar bleiben.

Ein Vorbehalt gehört dazu: Nicht jedes Verfahren passt zu jedem Gerät. Lassen Sie sich deshalb je Kenngröße angeben, welches Verfahren angewendet wurde und warum es zum konkreten Messprinzip passt. Eine Tabellenzeile ohne Verfahrensbezug reicht nicht aus.

Wie wichtig belastbare Zeitreihen sind, zeigt die Umweltbeobachtung selbst. Das Umweltbundesamt beschreibt unter Gewässerbeobachtung der Zukunft den Weg zu dichteren und automatisierten Messnetzen. Solche Netze stützen sich auf kontinuierliche Geräte, deren Kennlinien über die Nutzungsdauer nachvollziehbar bleiben müssen. Die Grundlagen der Wasserbeschaffenheit fasst die Themenseite Wasser des Umweltbundesamts zusammen.

Verifizierung: der Unterschied zu EN ISO 15839

EN ISO 15839:2006 half Herstellern, ein neues Gerät zu charakterisieren. DIN EN 17075 dreht die Blickrichtung: Der Schwerpunkt liegt auf Anwenderanforderungen, mit denen sich die Angaben des Herstellers überprüfen lassen. Verlangt werden dafür mehr technische Daten zur Verifizierung als in der Vorgängernorm.

Das verändert Ihre Rolle im Beschaffungsprozess. Sie charakterisieren kein neues Gerät, Sie prüfen eine Aussage. Formulieren Sie jede Anforderung als Frage, die mit Ja, Nein oder einer Messgröße beantwortet werden kann. Notieren Sie zu jeder Antwort, mit welcher Methode sie belegt wurde.

Verifizierung: der Unterschied

EN ISO 15839:2006

Hauptadressat
Hersteller, der ein Gerät charakterisiert
Umfang der Herstellerangaben
Ausgangspunkt der Charakterisierung
Prüfbedingungen
nicht betrachtet
Statistische Auswertung
nicht betrachtet
Anwendungsgrenze
nicht betrachtet

DIN EN 17075

Hauptadressat
Anwender, der Herstellerangaben verifiziert
Umfang der Herstellerangaben
mehr Daten zur Verifizierung gefordert
Prüfbedingungen
Labor- und Feldbedingungen
Statistische Auswertung
Verfahren festgelegt
Anwendungsgrenze
keine Test-Kits, keine Laboranalysegeräte

Diese vier Schritte gehören in die Ausschreibung

Vier Schritte für die Ausschreibung

  1. Betriebsposition festlegen und die Messgrößen mit Messbereich, Auflösung und zulässiger Abweichung auflisten.
  2. Je Messgröße das Prüfverfahren und die Prüfbedingungen (Labor, Feld) abfragen.
  3. Die technischen Daten zur Verifizierung anfordern und die statistische Auswertung der Prüfdaten verlangen.
  4. Abgrenzung zu Test-Kits und Laboranalytik schriftlich bestätigen lassen.

Halten Sie jede Antwort schriftlich fest. Mündliche Zusagen lassen sich bei einer späteren Nachprüfung nicht belegen.

Wer die Zahlen liefert: PTB und Gerätehersteller

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig und Berlin ist die nationale Metrologieeinrichtung Deutschlands. Sie stellt die Rückführbarkeit von Messgrößen auf nationale Normale sicher. Für Betreiber heißt das: Kalibrierscheine eines akkreditierten Labors sollten eine Rückführung erkennen lassen, sonst bleibt eine Abweichungsangabe ohne Bezugspunkt.

Hersteller wie Endress+Hauser oder Siemens liefern kontinuierliche Analysegeräte mit Leistungsdaten, die sich gegen diese Norm prüfen lassen. Die Normenarbeit im Wasserwesen liegt beim DIN. Die Gremienübersicht des Normenausschusses Wasserwesen (NAW) listet die zuständigen Ausschüsse auf. Vergleichen Sie die Unterlagen zweier Anbieter Zeile für Zeile, dann sehen Sie schnell, wer nur Datenblätter schickt und wer Prüfunterlagen beilegt.

Häufige Fragen

Gilt die Norm für Laboranalysegeräte?

Nein. Chemische Test-Kits und Laboranalysegeräte liegen außerhalb des Anwendungsbereichs.

Was prüft die Norm genau?

Sie legt allgemeine Anforderungen und Leistungsprüfungsverfahren fest, mit Prüfungen unter Labor- und Feldbedingungen und definierter statistischer Auswertung.

Ersetzt DIN EN 17075 die EN ISO 15839?

Sie löst sie als anwenderorientierte Norm ab. Der Schwerpunkt verschiebt sich von der Charakterisierung eines neuen Geräts zur Verifizierung der Herstellerangaben.

Wer kontrolliert die Messrichtigkeit in Deutschland?

Die PTB stellt die Rückführbarkeit auf nationale Normale sicher. Kalibrierungen erfolgen durch akkreditierte Labore, deren Ergebnisse dorthin zurückgeführt werden.

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