Wasserzähler und Messstellen im Produktionsbetrieb zur Verbrauchserfassung
Bild: Wassernutzen

Messung

Wie erfasse ich den Wasserverbrauch im Produktionsbetrieb?

Wasserverbrauch erfassen im Produktionsbetrieb: Messmethoden von Wasserzähler bis MID und Ultraschall, Datenlogger, Software, Normen und Beispielkosten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Drei Messprinzipien decken fast alle Stellen abmechanische Wasserzähler, magnetisch-induktive Durchflussmessung und Ultraschall.
  • Erst Unterzähler an Kühlturm, Kessel, CIP und Sanitär zeigen, wo die Kubikmeter bleiben. Ein Hauptzähler liefert nur die Gesamtsumme.
  • Vier Signalwege genügen für die AuswertungImpuls, 4-20 mA, M-Bus nach EN 13757 und Modbus.
  • Ein MID-Durchflussmesser ab DN 50 kostet netto 1.200 bis 2.500 Euro, ein Ultraschallzähler 900 bis 2.500 Euro, jeweils zzgl. 19 % MwSt.
  • DIN EN 17075 regelt kontinuierliche Messsysteme, ISO 50001 den Messplan im Managementsystem.

Messmethoden: mechanisch, magnetisch-induktiv, Ultraschall

Mechanische Wasserzähler arbeiten mit Flügelrad oder Woltmannrad. Sie sind günstig, eichfähig und für kleine Trinkwasserströme die erste Wahl. Ein Einstrahlzähler mit Q3 = 4 kostet netto 70 bis 150 Euro. Der Impulsausgang liefert einen Impuls je Liter oder je zehn Liter.

Die Grenzen liegen bei Partikeln und Kalk. Beides erhöht den Verschleiß, der Druckverlust steigt mit der Durchflussmenge. Bei belastetem Brauchwasser sinkt die Standzeit deutlich.

Die magnetisch-induktive Durchflussmessung nutzt das Induktionsgesetz von Faraday. Ein MID-Sensor braucht ein leitfähiges Medium, üblich sind mindestens fünf Mikrosiemens je Zentimeter.

Vorteile: keine bewegten Teile, kein Druckverlust, Messabweichungen von 0,2 bis 0,5 Prozent vom Messwert. Üblich sind Nennweiten von DN 15 bis DN 2000.

Achtung, der Begriff MID ist doppelt belegt. In der Durchflusstechnik meint er magnetisch-induktiv. In der Eichwelt steht MID für die Messgeräterichtlinie 2014/32/EU. Diese Richtlinie regelt, welche Wasserzähler in den geschäftlichen Verkehr dürfen.

Ultraschallzähler messen die Laufzeitdifferenz zwischen zwei Schallwegen. Clamp-on-Geräte werden von außen auf das Rohr gesetzt, ein Eingriff in die Leitung entfällt. Die Messabweichung liegt bei 1 bis 2 Prozent vom Messwert, Clamp-on-Geräte häufig bei 2 bis 5 Prozent.

Für die Auswahl gilt eine einfache Regel. Leitfähige Prozessströme bekommen MID, Nachrüstungen ohne Rohreingriff Ultraschall, kleine Trinkwassermengen mechanische Zähler.

Messstellen planen: Hauptzähler, Unterzähler, Bilanzgrenzen

Der Hauptzähler sitzt am Übergabepunkt des Versorgers. Er ist eichpflichtig und Grundlage der Abrechnung. Alles dahinter ist Betriebsnetz und braucht eigene Messpunkte.

Sinnvolle Unterzähler sitzen an Kühlturm, Dampfkessel, CIP-Anlage, Umkehrosmose, Sanitärbereich und Außenbewässerung. Jede Stelle erhält eine Kennzeichnung mit Nennweite, Einbauort und Eichfrist.

Trinkwasser und Prozesswasser sind getrennt zu erfassen. Für Trinkwasserinstallationen gilt die Trinkwasserverordnung, deren fachliche Grundlagen das Umweltbundesamt in seinem Überblick zu Trinkwasser bündelt.

In Trinkwassernetzen ist Stagnation ein Risiko. Lange Leitungsabschnitte ohne Entnahme sollte der Messstellenplan deshalb sichtbar machen. Ein Unterzähler an der Entnahmestelle belegt, ob eine Leitung überhaupt genutzt wird.

Eine Bilanz pro Tag oder Schicht macht Verluste sichtbar. Hauptzähler minus Summe der Unterzähler ergibt die Differenz aus Leckage, Verdunstung und Messfehler. Wer diese Differenz nicht kennt, findet keine Leckage.

Vergleichswerte für die eigene Bilanz liefert die Wasserwirtschaftsstatistik des Statistischen Bundesamtes, die Wasserentnahme und Wasserentsorgung der Betriebe erhebt.

Datenlogger, Signalwege und Software

Ein Datenlogger erfasst die Zählerimpulse mit Zeitstempel und puffert sie bei Netzausfall. Für Verbrauchsprofile reicht ein Abtastintervall von einer bis fünfzehn Minuten. Für Lastspitzen an Abfülllinien sind Sekundenwerte nötig. Der Puffer sollte mindestens dreißig Tage abdecken.

Vier Signalwege dominieren in der Praxis:

  • Impuls, potentialfrei, für mechanische Zähler
  • 4-20 mA, für Durchflussmessumformer
  • M-Bus nach EN 13757, für Zählernetze
  • Modbus RTU oder TCP, für die Anbindung an die SPS

Moderne Gateways lesen mehrere dieser Wege parallel und stellen die Daten über OPC UA bereit. Ein Gateway kostet netto 300 bis 1.200 Euro.

Auf der Softwareebene sind drei Ebenen zu trennen. Die SPS oder ein Edge-Gateway sammelt. Ein Messdatenmanagementsystem speichert und visualisiert. Ein Energiemanagementsystem bildet Kennzahlen und Berichte.

Siemens bietet mit dem SIMATIC Energy Manager und dem Insights Hub zwei Werkzeuge für Verbrauchsauswertung und Anlagenmonitoring. Endress+Hauser bündelt Geräte- und Messdaten im Netilion-Ökosystem. Beide Ansätze liefern Lastgänge, Vergleichszeiträume und Alarme.

Entscheidend ist nicht das Produkt, sondern die Zählerstruktur. Wer Unterzähler ohne einheitliche Kennzeichnung einbindet, erzeugt Daten ohne Aussage.

Normen und Prüfpflichten

DIN EN 17075 legt allgemeine Anforderungen und Leistungsmerkmale für kontinuierliche Messsysteme in der Wasserüberwachung fest. Sie beschreibt, wie Messgeräte ausgewählt, betrieben und dokumentiert werden. Zuständig für die Normungsarbeit im Wasserwesen ist der Normenausschuss Wasserwesen beim DIN.

ISO 50001 verlangt ein Energiemanagementsystem mit Messplan, Energiebasisjahr und Kennzahlen zur kontinuierlichen Verbesserung. Wasser lässt sich als eigene Kennzahl führen, etwa Liter je Tonne Produkt oder Kubikmeter je Charge.

Rechtlich sind zwei Fälle zu trennen. Zähler, die der Abrechnung oder dem geschäftlichen Verkehr dienen, unterliegen dem Mess- und Eichrecht. Für Kaltwasserzähler gilt eine Eichfrist von sechs Jahren, für Warmwasserzähler von fünf Jahren.

Reine Prozessmessungen ohne Abrechnungsbezug sind nicht eichpflichtig. Sie sollten trotzdem regelmäßig kalibriert werden, sonst wandert die Bilanz. Eichfähige Wasserzähler sind nach OIML R 49 klassifiziert.

Grundlagen zu Aufbereitung, Abwasser und Trinkwasser bündelt das Umweltbundesamt in seinen Fachpublikationen zu Wasser, einen thematischen Einstieg bietet die Themenseite Wasser des Umweltbundesamtes.

Kosten und Rechenbeispiel

Die folgende Übersicht nennt Größenordnungen für das Gerät, ohne Montage. Alle Preise netto zzgl. 19 % MwSt., Stand 2025.

| Messgerät | Nennweite | Preis netto | Einsatz | | Einstrahl-Wasserzähler mit Impulsgeber | DN 20, Q3 = 4 | 70 bis 150 Euro | Sanitär, kleine Verbraucher | | Mehrstrahl-Wasserzähler mit M-Bus | DN 25 bis DN 50 | 180 bis 450 Euro | Unterverteilungen | | Magnetisch-induktiver Durchflussmesser | DN 50 | 1.200 bis 2.500 Euro | leitfähige Prozessströme | | Ultraschall-Durchflussmesser, clamp-on | DN 50 bis DN 100 | 900 bis 2.500 Euro | Nachrüstung ohne Rohreingriff | | Datenlogger oder Gateway | je Ausführung | 300 bis 1.200 Euro | Impuls, M-Bus, Modbus |

Hinzu kommen Einbau, Absperrarmaturen und Inbetriebnahme. Für eine DN-50-Stelle sind das je nach Aufwand 400 bis 1.200 Euro netto.

Rechenbeispiel: Vier Unterzähler für 8.100 Euro netto

Ein Betrieb bezieht 18.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr. Der Bezugspreis einschließlich Abwassergebühr liegt bei 4,50 Euro je Kubikmeter netto. Das ergibt 81.000 Euro pro Jahr.

Vier MID-Zähler DN 50 kosten 7.200 Euro netto, ein Gateway 900 Euro netto. Die Investition liegt bei 8.100 Euro netto, also 9.639 Euro brutto. Beispielrechnung, keine Herstellerangabe.

Die Messung deckt eine Leckage von drei Prozent auf. Das sind 540 Kubikmeter und 2.430 Euro netto pro Jahr. Die Amortisationszeit beträgt rund 3,3 Jahre.

Bei fünf Prozent Verlust sind es 900 Kubikmeter und 4.050 Euro netto pro Jahr. Dann liegt die Amortisationszeit bei rund zwei Jahren.

Schritt für Schritt zur Messstellenstruktur

  1. Verbraucherliste anlegenKühlturm, Kessel, CIP, Sanitär und Bewässerung mit Nennweite und Medium erfassen.
  2. Bilanzgrenzen festlegenÜbergabepunkt, Abwasserabgabe, Verdunstung und Produktwasser trennen.
  3. Messprinzip je Stelle wählenMID für leitfähige Prozessströme, Ultraschall zum Nachrüsten, mechanisch für kleine Trinkwasserströme.
  4. Signalweg und Abtastintervall festlegenM-Bus oder Modbus, eine bis fünfzehn Minuten.
  5. Auswertung aufsetzenKennzahl je Produktionseinheit bilden, Alarmgrenzen setzen, Bericht je Schicht erzeugen.

Ausreißer, Trends und Vergleichswerte erkennen

Die Grundlast zeigt sich im Nachtverbrauch. Läuft die Produktion nicht und der Zähler steigt trotzdem, ist eine Leckage wahrscheinlich.

Vergleichswerte entstehen aus dem Verhältnis von Verbrauch zu Produktionsmenge. Ein Anstieg um zehn Prozent bei gleicher Ausbringung ist ein Signal, kein Zufall.

Drei Prüfungen gehören in den Monatsbericht. Erstens die Bilanz aus Haupt- und Unterzählern. Zweitens der Nachtverbrauch je Messstelle. Drittens die Kennzahl je Tonne Produkt im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Für Effizienzmaßnahmen führt die KfW Förderangebote für Energieeffizienz und Umweltschutz für Unternehmen, unter denen sich auch wasserbezogene Vorhaben prüfen lassen.

Häufige Fragen

Welche Norm gilt für kontinuierliche Wasser-Messsysteme?

DIN EN 17075 beschreibt allgemeine Anforderungen und Leistungsmerkmale für kontinuierliche Messsysteme in der Wasserüberwachung. Sie ergänzt die Festlegungen aus ISO 50001 zum Messplan.

Was kostet ein MID-Durchflussmesser?

Ein Gerät ab DN 50 kostet netto 1.200 bis 2.500 Euro, zzgl. 19 % MwSt. Einbau, Armaturen und Inbetriebnahme kommen hinzu, für eine DN-50-Stelle 400 bis 1.200 Euro netto.

Müssen betriebliche Wasserzähler geeicht werden?

Nur wenn sie der Abrechnung oder dem geschäftlichen Verkehr dienen. Kaltwasserzähler haben dann eine Eichfrist von sechs Jahren, Warmwasserzähler von fünf Jahren. Reine Prozessmessungen werden kalibriert.

Wie hilft ISO 50001 beim Wasserverbrauch erfassen?

Das System liefert den Rahmen: Messplan, Kennzahlen, Basisjahr und regelmäßige Bewertung. Wasser wird als eigene Kennzahl geführt, etwa Liter je Tonne Produkt.

Welche Software eignet sich für die Auswertung?

Die SPS oder ein Edge-Gateway sammelt die Signale. Messdatenmanagementsysteme speichern und visualisieren. Siemens und Endress+Hauser bieten mit SIMATIC Energy Manager, Insights Hub und Netilion passende Bausteine.

In diesem Leitfaden

  1. Wasserzähler für Betriebe: Mietkauf oder Kauf im VergleichWasserzähler für Betriebe: Miete, Mietkauf oder Kauf im Vergleich mit Preisen in Euro, Eichfristen und Anbietern wie Diehl, Sensus und Zenner.
  2. Wasserverbrauch per Datenlogger überwachen: 3 Tools im VergleichWasserverbrauch per Datenlogger überwachen: Drei Tools von Kamstrup, Endress+Hauser und Siemens im Vergleich, mit Schnittstellen, Preisrahmen und Beispielrechnung.
  3. Checkliste: Messstellen für Wasserverbrauch richtig planenMessstellen für den Wasserverbrauch planen: Checkliste zu Auswahl, Zugänglichkeit, Eichfristen nach MessEV und Dokumentation mit DIN und PTB.

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