Karte zur rechtssicheren Entsorgung von Produktionsabwasser in Deutschland
Bild: Wassernutzen

Abwasser

Wie entsorge ich Produktionsabwasser in Deutschland rechtssicher?

Produktionsabwasser rechtssicher entsorgen: WHG, AbwV und kommunale Satzung, Grenzwerte, Indirekteinleiterantrag und Kosten je Kubikmeter im Überblick.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Direkteinleitung erlaubt nur die Untere Wasserbehörde, Indirekteinleitung stimmt die Kommune zu.
  • Grenzwerte stehen in der AbwV und in der örtlichen Entwässerungssatzung, nicht in einer bundesweit einheitlichen Liste.
  • Der Indirekteinleiterantrag verlangt Mengen, Frachten, eine Verfahrensbeschreibung und Messwerte aus repräsentativen Proben.
  • Die Einleitung kostet je Kubikmeter; für CSB, Stickstoff und Phosphor kommen Frachtzuschläge hinzu.
  • Ohne Genehmigung bleibt nur die Entsorgung durch einen zugelassenen Fachbetrieb mit lückenlosen Nachweisen.

Diese Regelwerke bestimmen die Entsorgung von Produktionsabwasser

Drei Ebenen greifen ineinander: Bundesrecht, Landesrecht und die Satzung Ihrer Kommune. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) regelt, ob und wie Abwasser in ein Gewässer gelangen darf. Einen Überblick über die Einleitungswege bietet die Themenseite Abwasser des Umweltbundesamts.

Das § 58 WHG enthält die zentralen Anforderungen an das Einleiten von Abwasser. Die Erlaubnis erteilt die zuständige Wasserbehörde. Die Länder können die Erlaubnispflicht auf die Einleitung in öffentliche Abwasseranlagen erstrecken. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob Ihr Betrieb direkt in ein Gewässer oder indirekt in die Kanalisation einleitet.

Bundesweit einheitliche Mindestanforderungen enthält die Abwasserverordnung (AbwV). Sie ist in Anhänge gegliedert, die einzelne Branchen und Produktionsarten abbilden, etwa Anhang 1 der AbwV. Welcher Anhang für Ihren Betrieb gilt, hängt von der Produktionsart und vom Ort des Abwasseranfalls ab.

Auf kommunaler Ebene kommen Entwässerungssatzung, Abwassersatzung oder eine gesonderte Indirekteinleitersatzung hinzu. Diese Satzungen legen fest, welches Abwasser die öffentliche Kanalisation aufnehmen darf. Einige Länder haben zusätzlich Indirekteinleiterverordnungen erlassen.

Die Landeswassergesetze konkretisieren das WHG. Sie benennen die zuständigen Behörden und regeln das Verfahren, in dem eine Erlaubnis erteilt oder versagt wird. Zuständig ist in der Regel die Untere Wasserbehörde.

Die rechtliche Einordnung von Einleitung und Entnahme fasst das Umweltbundesamt zum Wasserrecht zusammen. Für den Betrieb heißt das: Ohne Prüfung aller drei Ebenen lässt sich die Rechtmäßigkeit einer Einleitung nicht beurteilen.

Direkteinleitung, Indirekteinleitung oder externe Entsorgung

Bei der Direkteinleitung gelangt Ihr Abwasser über eine eigene Leitung in ein Gewässer, etwa in einen Vorfluter. Zuständig ist die Untere Wasserbehörde bei der Kreisverwaltung oder der kreisfreien Stadt, in einigen Ländern eine höhere Landesbehörde.

Flussdiagramm mit drei Entsorgungswegen für Produktionsabwasser und ihren Behörden (Wie entsorge ich Produktionsabwasser in Deutschland rechtssicher?)
Welcher Weg gilt, entscheidet die zuständige Behörde – Direkteinleitung, Indirekteinleitung oder externe Entsorgung. Image: Wassernutzen

Die Erlaubnis wird befristet erteilt und enthält Überwachungswerte für Fracht und Konzentration. Zusätzlich verlangen die Länder Eigenkontrollen mit festgelegten Probenahmen und Analysen. Auflagen können Messstellen, Betriebszeiten und Maßnahmen zur Störfallvorsorge betreffen.

Bei der Indirekteinleitung fließt das Abwasser in die öffentliche Kanalisation und erreicht die kommunale Kläranlage. Zuständig sind der Eigenbetrieb Entwässerung, das Tiefbauamt oder die Stadtentwässerung. Grundlage ist die Satzung, die auch Grenzwerte und Selbstüberwachung regelt.

Kommunen unterscheiden zwischen häuslichem und nicht häuslichem Abwasser. Für nicht häusliches Abwasser aus Produktion, Gewerbe und Industrie gilt regelmäßig ein gesondertes Verfahren mit weitergehenden Anforderungen.

Die Kläranlage am Ende des Kanals ist auf häusliches Abwasser ausgelegt. Salzfrachten oder hohe organische Frachten können ihre Reinigungsleistung beeinträchtigen. Deshalb verlangen Kommunen häufig eine Vorbehandlung und begrenzen die eingeleitete Fracht.

Nicht jedes Produktionsabwasser darf eingeleitet werden. Stark belastete Chargen, Lösungsmittel oder konzentrierte Salzlösungen müssen häufig als Abfall entsorgt werden. Beauftragen Sie damit ein zugelassenes Entsorgungsunternehmen und lassen Sie sich Begleitscheine und Analysen aushändigen.

Welche Grenzwerte für die Einleitung gelten

Für die Direkteinleitung gelten die Anforderungen des WHG und die branchenbezogenen Vorgaben der AbwV. Für die Indirekteinleitung sind die Werte der kommunalen Satzung maßgeblich. Viele Satzungen orientieren sich an den Anhaltswerten des DWA-Arbeitsblatts A 115 für nicht häusliches Abwasser.

Vergleichstabelle der Grenzwerte für Direkt- und Indirekteinleitung (Wie entsorge ich Produktionsabwasser in Deutschland rechtssicher?)
Für die Direkteinleitung gelten WHG und AbwV, für die Indirekteinleitung die Werte der kommunalen Satzung. Image: Wassernutzen

Häufiger Höchstwert in kommunalen Satzungen

  • pH-Wert6,5
  • Temperatur35
  • CSB600
  • BSB5400
  • AOX1
  • Kohlenwasserstoffe10
  • Zink2
  • Kupfer0,5
  • Nickel0,5
  • Cadmium0,1

Diese Werte sind Anhaltswerte, keine bundesweite Norm. Maßgeblich ist die Fassung der Satzung, die an Ihrem Standort gilt. Dort finden Sie auch Verbote, etwa für halogenierte Kohlenwasserstoffe, und Mindestanforderungen an den pH-Wert.

Satzungen können neben Konzentrationswerten Frachtbegrenzungen und Vorgaben zur Probenahme enthalten. Achten Sie auf Sonderregeln für Kühlwasser, für Regenwasser von Produktionsflächen und für erwärmtes Abwasser.

Für die Genehmigung müssen Sie belegen, dass Sie die Werte dauerhaft einhalten können. Dazu gehören Betriebsdaten der Vorbehandlungsanlagen und Ergebnisse von Analysen. Fehlen belastbare Nachweise, wird die Einleitung häufig nur eingeschränkt zugelassen.

Indirekteinleiterantrag stellen: Schritt für Schritt

  1. Abwasserströme erfassenMenge, Temperatur, Inhaltsstoffe und Spitzenlasten je Teilströmen auflisten.
  2. Unterlagen zusammenstellenFragebogen der Kommune, Verfahrensbeschreibung, Kanalschema, Messwerte aus repräsentativen Proben.
  3. Antrag einreichenIndirekteinleiterantrag bei der Kommune oder der Unteren Wasserbehörde, je nach Landesrecht.
  4. Auflagen prüfenGrenzwerte, Mengenbegrenzungen, Messstellen, Probenahmeplan und Meldepflichten.
  5. Betrieb einrichtenMessstelle, Laborvertrag und Aufzeichnungen stehen, bevor die erste Charge eingeleitet wird.

Vollständige Unterlagen verkürzen die Bearbeitung. Klären Sie mit der Behörde, welche Nachweise über Vorbehandlungsanlagen verlangt werden. Fragen Sie außerdem, ob ein vorzeitiger Beginn zugelassen werden kann, damit die Produktion nicht stillsteht.

Fünf Schritte vom Erfassen der Abwasserströme bis zum eingerichteten Betrieb (Wie entsorge ich Produktionsabwasser in Deutschland rechtssicher?)
Vollständige Unterlagen verkürzen die Bearbeitung – rechnen Sie mit mehreren Wochen bis Monaten. Image: Wassernutzen

Rechnen Sie mit Bearbeitungszeiten von mehreren Wochen bis Monaten. Stimmen Sie den Zeitplan deshalb früh mit der Kommune ab und leiten Sie erst nach der Zustimmung ein.

Was die Einleitung in die Kanalisation kostet

Die Einleitung ist gebührenpflichtig. Die Schmutzwassergebühr liegt in vielen Kommunen zwischen etwa 2,00 Euro und 4,00 Euro je Kubikmeter. Für Betriebe kommen Zuschläge hinzu, wenn Frachtwerte wie CSB, Stickstoff oder Phosphor über den üblichen Werten von Haushaltsabwasser liegen.

Die Gebührensatzung trennt häufig Grundgebühr, Mengengebühr und Frachtgebühr. Verlangen Sie eine Aufstellung der Frachtparameter und der Preise je Kilogramm. So lässt sich abschätzen, welche Vorbehandlung sich rechnet.

Kommunale Gebühren werden in der Regel ohne Umsatzsteuer erhoben, weil die Abwasserbeseitigung hoheitlich erfolgt. Bei Verträgen mit privaten Entsorgern kommt die gesetzliche Umsatzsteuer von 19 Prozent hinzu.

Die externe Entsorgung per Tankwagen oder Verbrennung kostet je Kubikmeter ein Vielfaches der Kanalgebühr. Sie bleibt meist den Teilströmen vorbehalten, die nicht einleitbar sind.

Ein Vergleich beider Wege lohnt sich vor der Antragstellung. Rechnen Sie die Kanalgebühr mit Frachtzuschlägen gegen die Kosten der Vorbehandlung und der externen Entsorgung. Oft ist die Vorbehandlung mit Blick auf die Jahressumme günstiger.

Rechenbeispiel: 500 Kubikmeter Produktionsabwasser im Monat

Angenommen werden eine Gebühr von 3,20 Euro je Kubikmeter und ein Frachtzuschlag von 0,40 Euro je Kilogramm CSB. Der Betrieb leitet 500 Kubikmeter je Monat ein, der CSB-Wert liegt bei 0,6 Kilogramm je Kubikmeter.

  • Mengengebühr500
  • CSB-Fracht500
  • Summe1.720

Alle Sätze sind Annahmen zur Veranschaulichung. Maßgeblich sind die Gebührensatzung Ihrer Kommune und die dort vereinbarten Frachtzuschläge.

Pflichten im laufenden Betrieb: Proben, Fristen, Meldungen

Wer einleitet, muss messen, aufzeichnen und melden. Die Satzung schreibt meist feste Probenahmestellen, Probenahmeintervalle und die Analyse durch ein akkreditiertes Labor vor. Aufzeichnungen sind in der Regel mehrere Jahre aufzubewahren.

Für die Probenahme gilt: repräsentativ, gekühlt und fristgerecht ins Labor. Die Ergebnisse müssen zur Einleitungsstelle und zum Betriebszustand passen, sonst sind sie angreifbar.

Ordnen Sie jeder Probe einen Betriebszustand zu, etwa Anfahrbetrieb, Regelbetrieb oder Reinigung. Nur so lassen sich Ausreißer erklären. Bewahren Sie Rohdaten und Laborberichte vollständig auf.

Überschreitungen sind unverzüglich zu melden. Die Behörde kann Auflagen verschärfen, eine Nachbehandlung verlangen oder den Anschluss sperren. Bei wiederholten Verstößen drohen Bußgelder und ein Verfahren wegen Gewässerverunreinigung.

Für Betriebe, die mit wassergefährdenden Stoffen umgehen und erhebliche Abwassermengen einleiten, verlangt § 64 WHG einen Gewässerschutzbeauftragten. Für Anlagen mit wassergefährdenden Stoffen gelten zusätzlich die Anforderungen der AwSV.

Wann Sie die Genehmigung ändern lassen müssen

Änderungen sind anzeige- oder genehmigungspflichtig. Das betrifft neue Produktionsverfahren, zusätzliche Stoffe, steigende Abwassermengen und geänderte Spitzenlasten. Auch ein Betreiberwechsel gehört in der Regel gemeldet.

Melden Sie Änderungen vorab und reichen Sie aktuelle Messwerte nach. Wer ohne Zustimmung einleitet, verliert den Anspruch auf die Einleitung und riskiert eine Ordnungswidrigkeit.

Bei einer Stilllegung bleibt die Nachweispflicht bestehen. Dokumentieren Sie die letzte Einleitung, die Entsorgung von Restmengen und die Stilllegung von Leitungen und Becken.

Häufige Fragen

Ab welcher Abwassermenge brauche ich einen Indirekteinleiterantrag?

Die Schwelle steht in Ihrer Entwässerungssatzung und hängt meist an der Abwasserart, etwa an nicht häuslichem Abwasser. Klären Sie den Status mit der Kommune, bevor Sie einleiten.

Gilt die Abwasserverordnung auch für Indirekteinleiter?

Mittelbar ja. Kommunale Satzungen und Genehmigungen orientieren sich an den Anforderungen der AbwV. Strengere Vorgaben der Kommune sind möglich.

Was kostet die Einleitung in Euro je Kubikmeter?

Je nach Kommune und Fracht liegen die Gebühren häufig bei etwa 2,00 Euro bis 4,00 Euro je Kubikmeter, zuzüglich Zuschlägen für CSB, Stickstoff oder Phosphor.

Was passiert bei einer Grenzwertüberschreitung?

Sie müssen die Überschreitung unverzüglich melden, die Ursache beheben und die Ergebnisse dokumentieren. Die Behörde kann Auflagen ändern oder die Einleitung untersagen.

Muss ich mein Abwasser vorbehandeln?

Häufig ja. Üblich sind Fettabscheider, Neutralisation, Sedimentation oder Siebung. Welche Anlage nötig ist, ergibt sich aus den Grenzwerten und der geforderten Reinigungsleistung.

In diesem Leitfaden

  1. Abwassergebühren für Produktionsbetriebe: Was kostet die Einleitung?Abwassergebühren für die Produktion: konkrete Sätze aus Berlin, Hamburg und München je Kubikmeter, Frachtzuschläge, Umsatzsteuer und eine Beispielrechnung.
  2. Checkliste: Pflichten als IndirekteinleiterPflichten als Indirekteinleiter: Checkliste zu Selbstüberwachung, Probenahme, Dokumentation, Grenzwerten und Meldung an die Kommune nach AbwV und Satzung.
  3. Einleitungsgenehmigung nach WHG beantragen: So gehen Sie vorEinleitungsgenehmigung WHG beantragen: Zuständige Untere Wasserbehörde, Unterlagen, Fristen und Gebühren in Euro, Schritt für Schritt für Betriebsleiter.

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