
Abwasser
Teil von Wie entsorge ich Produktionsabwasser in Deutschland rechtssicher?
Abwassergebühren für Produktionsbetriebe: Was kostet die Einleitung?
Abwassergebühren für die Produktion: konkrete Sätze aus Berlin, Hamburg und München je Kubikmeter, Frachtzuschläge, Umsatzsteuer und eine Beispielrechnung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Schmutzwassergebühren liegen in großen Städten meist zwischen 1,80 und 2,50 Euro je Kubikmeter netto.
- Berlin, Hamburg und München rechnen nach Kubikmeter ab, dazu kommen 19 Prozent Umsatzsteuer.
- Frachten aus CSB, Stickstoff und Phosphor lösen Zuschläge je Kilogramm aus.
- Ohne Erlaubnis nach § 57 WHG darf kein Betrieb in ein Gewässer einleiten.
- Maßgeblich ist die Gebührensatzung der Kommune, nicht ein bundesweit einheitlicher Satz.
Wie sich die Abwassergebühr zusammensetzt
Eine Abwassergebühr besteht selten aus einem einzigen Satz. Vier Bausteine wiederholen sich in fast jeder Satzung.
- Grundgebühr
- fester Jahresbetrag, oft nach Zählergröße oder Anschlusswert.
- Mengengebühr
- Euro je Kubikmeter Schmutzwasser.
- Niederschlagswassergebühr
- Euro je Quadratmeter versiegelter Fläche.
- Frachtgebühr
- Euro je Kilogramm CSB, Stickstoff, Phosphor oder Schwermetall.
Für Produktionsbetriebe ist der vierte Baustein entscheidend. Wer Prozessabwasser mit hoher organischer Last einleitet, zahlt deutlich mehr als ein Betrieb mit Kühlwasser.
Bei gesplitteter Abwassergebühr rechnet die Kommune Schmutzwasser und Niederschlagswasser getrennt ab. Betriebe mit großen Dach- und Hofflächen zahlen zusätzlich nach Quadratmetern.
Für industrielle Einleiter prüft die Kommune die Fracht häufig über Einwohnergleichwerte. Ein Einwohnergleichwert entspricht 60 Gramm CSB je Tag.
Die rechtlichen Grundlagen der Entsorgung und der Einleitung fasst das Umweltbundesamt unter Abwasser zusammen.
Konkrete Gebühren in Berlin, Hamburg und München
Die folgende Übersicht nennt gerundete Nettopreise aus den zuletzt veröffentlichten Tarifblättern. Die Werte beziehen sich auf ein Abrechnungsjahr und auf eingeleitete Schmutzwassermengen.
| Kommune | Betreiber | Schmutzwasser netto | 19 Prozent USt. | brutto |
|---|---|---|---|---|
| Berlin | Berliner Wasserbetriebe | 2,20 Euro/m³ | 0,42 Euro/m³ | 2,62 Euro/m³ |
| Hamburg | Hamburg Wasser | 2,40 Euro/m³ | 0,46 Euro/m³ | 2,86 Euro/m³ |
| München | Münchner Stadtentwässerung | 1,80 Euro/m³ | 0,34 Euro/m³ | 2,14 Euro/m³ |
Bei 10.000 Kubikmetern Schmutzwasser ergeben sich daraus 21.400 bis 28.600 Euro brutto im Jahr. Die Tabellenwerte decken nur die Mengengebühr ab, Grundgebühr, Niederschlagswasser und Fracht kommen hinzu.
Auf Abwasser gilt der Regelsteuersatz von 19 Prozent Umsatzsteuer, auf Trinkwasser dagegen 7 Prozent. Vorsteuerabzugsberechtigte Betriebe können die Umsatzsteuer verrechnen, andere tragen sie als Kosten.
In allen drei Fällen erheben kommunale oder landeseigene Betriebe die Sätze. Für Unternehmen mit mehreren Standorten zählt jede Kommune einzeln.
Frachtgebühren: Wenn CSB, Stickstoff und Phosphor den Preis treiben
Viele Satzungen rechnen zusätzlich je Kilogramm Fracht ab. Üblich sind separate Sätze für CSB, Stickstoff, Phosphor und Schwermetalle.
Die Fracht ergibt sich aus Konzentration mal Abwassermenge. Eine Konzentration von 500 Milligramm CSB je Liter bedeutet bei 1.000 Kubikmetern eine Fracht von 500 Kilogramm.
Satzungen können Freimengen vorsehen, die einer häuslichen Abwassermenge entsprechen. Wer darüber liegt, zahlt Frachtgebühren für den Überschuss.
Jede Satzung legt fest, welche Parameter sie bepreist und ab welcher Konzentration. Stickstoff und Phosphor werden dabei getrennt erfasst.
Wie viel Industrie und Gewerbe einleiten, erhebt das Statistische Bundesamt in der Wasserwirtschaftsstatistik.
Beispielrechnung für 5.000 Kubikmeter Prozessabwasser
Angenommen werden 5.000 Kubikmeter, eine Mengengebühr von 2,20 Euro netto je Kubikmeter und ein Frachtzuschlag von 0,30 Euro je Kilogramm CSB bei 2.500 Kilogramm Fracht. Beide Zuschlagswerte sind Annahmen.
Umgerechnet kostet die Einleitung damit 2,80 Euro brutto je Kubikmeter. Bei geringerer Fracht sinkt die Rechnung überproportional, weil die Mengengebühr unverändert bleibt.
Erlaubnis, Messung und laufende Kosten
Wer Abwasser in die Kanalisation gibt, braucht dafür die Zustimmung des Betreibers. Für die Einleitung in ein Gewässer ist eine behördliche Erlaubnis nach § 57 WHG erforderlich.
Die Behörde legt Grenzwerte fest, die sich an § 58 WHG und am Stand der Technik orientieren. Die Erlaubnis wird befristet erteilt und kann Auflagen zu Menge, Konzentration und Messtechnik enthalten.
Anträge stellt der Betrieb bei der zuständigen Wasserbehörde des Landes. Dazu kommen laufende Kosten für Probenahme, Analyse und Messstellen.
Direkteinleiter zahlen zusätzlich die Abwasserabgabe an das Land. Indirekteinleiter tragen diese Abgabe über die kommunale Gebühr.
Häufige Fragen
Was kostet die Einleitung von Abwasser für ein Produktionsunternehmen?
Die Gebühr liegt in den genannten Städten zwischen 1,80 und 2,40 Euro netto je Kubikmeter, zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer. Frachtzuschläge und Grundgebühren kommen hinzu.
Fällt auf Abwassergebühren Umsatzsteuer an?
Ja. Abwasser wird mit dem Regelsteuersatz von 19 Prozent abgerechnet, Trinkwasser mit dem ermäßigten Satz von 7 Prozent.
Warum zahlen Betriebe Zuschläge für CSB, Stickstoff und Phosphor?
Stark belastetes Abwasser verursacht in der Kläranlage höhere Kosten. Viele Satzungen spiegeln das über Frachtgebühren je Kilogramm.
Welche Erlaubnis braucht ein Betrieb für die Einleitung?
Für die Einleitung in ein Gewässer ist eine Erlaubnis nach § 57 WHG nötig, für die Einleitung in die Kanalisation die Zustimmung des Betreibers.
Wie wird die Abwassergebühr abgerechnet?
Die Betreiber rechnen meist jährlich ab und erheben monatliche oder vierteljährliche Abschläge. Fälligkeit und Fristen stehen in der Satzung.


